| 1279 Beiträge - Qualitätslarper
|
 |
|
So, endlich etwas Ruhe für den Beitrag. 
Zitat Original geschrieben von Sandmann
Zitat Original geschrieben von Avoron Aschenfall
Okay, anders: Ich bin halt verwirrt, dass der Hinweis auf absichtliche Kartellabsprachen zur Senkung der Qualität von Produkten auf Kosten der Verbraucher - aber zum Erhalt von Firmen und der damit verbundenen Arbeitsplätze - zu einer Grundsatzdiskussion betreffend den Leichenbergen stalinistischer oder nationalsozialistischer Systeme führt.
Die Gefahr, dass nach Ansehen dieses Berichts, die Leute nun rote Fahnen hissen und Massenexekutionen befürworten, halte ich nun doch für ... *räusper* gering.
|
Wie ich bereits ausführte enthält der Film halt eine Menge sozialistisches und kommunistisches Gedankengut, bzw. verwendet entsprechende Denkabkürzungen. Die erste Aussage ist, dass Leute Dinge kaufen, die sie nicht brauchen würden. Das große Problem an dieser Aussage ist, dass hier einer der Meinung ist für andere Entscheiden zu können, was die brauchen und was nicht.
Dabei funktioniert Handel aber einzig und allein so, dass verschiedene Individuen Dingen einen unterschiedlichen Wert zumessen. Ich kann also einzig und allein eine Aussage darüber treffen ob ich einen Gegenstand brauche und was er mir Wert ist. Für jemand andere kann ich dies aber nicht.
Alle Wirtschaftsmodelle in dem aber einer sich erdreitste für alle zu bestimmmen, endeteten eben im Armut, Hunger und zur Aufrechterhaltung in Mord. Hier gibt es den Schönen Spruch: Wehret den Anfängen! Von daher muss man gegen solch ein Gedankengut wie in dem Film angehen. |
Okay, aber würdest du die Aussage, dass wir uns mit unnützen Dingen eindecken, gleich als sozialistisch bzw. kommunistisch bezeichnen? Kommt der Denkschritt daher, weil der Kapitalismus mit seinem Kind, der Konsumwirtschaft, beichtet, man braucht mehr oder alles?
Schon bspw. in aristokratischen, theokratischen, feudalistischen oder eben demokratischen Systemen wurde doch bestimmt, was die Leute angeblich brauchen – oder was halt nicht (die moralische Bewertung mal dahin gestellt). Oder zählst du z.B. Friedrich den Großen auch als Kommunist / Sozialist bzw. Kapitalist?
Zitat Original geschrieben von Sandmann
Dabei funktioniert Handel aber einzig und allein so, dass verschiedene Individuen Dingen einen unterschiedlichen Wert zumessen. Ich kann also einzig und allein eine Aussage darüber treffen ob ich einen Gegenstand brauche und was er mir Wert ist. Für jemand andere kann ich dies aber nicht.
Alle Wirtschaftsmodelle in dem aber einer sich erdreitste für alle zu bestimmmen, endeteten eben im Armut, Hunger und zur Aufrechterhaltung in Mord. Hier gibt es den Schönen Spruch: Wehret den Anfängen! Von daher muss man gegen solch ein Gedankengut wie in dem Film angehen. |
Damit beschreibst du aber das theoretische Ideal des Handels. Die individuelle Wertbemessung eines Produkts unterliegt doch ungemein vielen Faktoren. Das fängt bei Hunger und Freude an, geht über Werbung und Statussymbol bis hin zu Erpressung und Abhängigkeit.
Zitat Original geschrieben von Sandmann
Dabei funktioniert Handel aber einzig und allein so, dass verschiedene Individuen Dingen einen unterschiedlichen Wert zumessen. Ich kann also einzig und allein eine Aussage darüber treffen ob ich einen Gegenstand brauche und was er mir Wert ist. Für jemand andere kann ich dies aber nicht.
Alle Wirtschaftsmodelle in dem aber einer sich erdreitste für alle zu bestimmmen, endeteten eben im Armut, Hunger und zur Aufrechterhaltung in Mord. Hier gibt es den Schönen Spruch: Wehret den Anfängen! Von daher muss man gegen solch ein Gedankengut wie in dem Film angehen. |
Zum Punkt „alle Wirtschaftsmodelle“. Damit meinst du jetzt Gesellschaftsentwürfe, wie sog. „sozialistische“ Systeme? Aber da du von Einzelpersonen sprichst, die sich erdreisten, für alle zu bestimmen, sprichst du von Diktatoren bzw. Monarchen?
Kommunismus ist schließlich (in der Theorie) die Herrschaft des Proletariats – also einem (aus damaliger Sicht) großen Bevölkerungsanteil. Ich schlussfolgere, dass du Systeme damit beschuldigst, die sich „kommunistisch“ nennen, aber mehr oder minder einer kleinen Klicke unterworfen sind, oder?
Du hast also die Sorge, dass der Film eine kleine Elite fördert, die die Macht ergreift, und sich erdreistet, z.B. zu bestimmen: „Akkus müssen mindestens 2 Jahre halten, weil der Ressourcenverbrauch unserer Meinung nach zu groß ist – weniger haltbare Akkus dürfen nicht mehr verkauft werden“?
Zitat Original geschrieben von Sandmann
Ebenso auffällig ist, dass die staatlichen Mechanismen, die zu eben jenem Kartell führen nicht angesprochen werden. So konnte sich dieses Kartell ja nur bilden, weil sie entsprechenden Patente hatten. Dies verhinderte den Markteintritt anderer Glühbirnenhersteller. Und Patente werden nun mal vom Staat erteilt und mit dessen Gewalt durchgesetzt.
Würde es also keine Patente geben, könnten die Firmen die Qualität nur so weit verschlechtern, bis sich der Markteintritt für jemand andere lohnt.
|
Vermutlich laufen u.a. deshalb Patente aus – damit dann andere Leute mit einsteigen können.
Selbst Vertreter eines mächtigen, freien Marktes fordern ja einen „Nachtwächterstaat“, der eben Eigentum schützt. Und dazu gehören halt auch Erfindungen.
Aber das ist immer wieder kritisch.
Wo hatte ich letztens nur dieses Beispiel gelesen oder gehört (hier im Forum)?
Als in Afrika (?) ein Staat Medikamente gegen AIDS billig produzieren wollten (Generika), schritt eine westliche Regierung ein, weil das die Geschäfte einiger Firmen gemindert hätte (und die hatten schließlich die Patente).
Als dann aber die Angst kam wegen dieser Briefsendungen mit den Milzbranderregern kam, da wurde ganz schnell auf Patente geschissen
Hm... ich suche mal einen Nachweis raus …
„Im Millionen-Geschäft mit Anti-Milzbrand-Medikamenten soll jetzt neben dem Bayer-Konzern erstmals auch ein Hersteller von billigeren Nachahmer-Produkten zum Zuge kommen. Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer bestätigte am Freitag in Leverkusen, dass die kanadische Regierung 900.000 Tabletten mit dem Ciprobay-Wirkstoff bei einem Konkurrenten bestellt habe.
Die Bayer AG wolle mit der kanadischen Regierung Gespräche aufnehmen, da sie Patentrechte verletzt sehe, sagte ein Sprecher. Ciprobay ist das umsatzstärkste Bayer-Medikament.
Die "New York Times" zitierte eine Sprecherin des kanadischen Gesundheitsministeriums mit den Worten, dies seien außergewöhnliche Zeiten und die Bevölkerung erwarte, dass die Regierung alles zu ihrem Schutz unternehme.
USA WILL CIPROBAY-PATENTSCHUTZ NICHT AUSHÖHLEN
Dagegen will die US-Regierung den Patentschutz für das Lungenmilzbrand-Medikament Ciprobay derzeit nicht aushöhlen. Ein entsprechender Vorschlag des New Yorker Senators Charles Schumer wurde abgelehnt. Der Sprecher des US-Gesundheitsministeriums, Anthony Jewell, sagte, die Regierung halte es zurzeit nicht für notwendig, den Patentschutz zu brechen. Zur Bekämpfung von Anthrax gebe es mehrere Medikamente. Zudem habe Bayer versichert, dass es das Mittel in ausreichenden Mengen liefern könne. Das US-Patent für Ciprobay läuft erst Ende 2003 aus.
Bayer hatte am Mittwoch angekündigt, die Ciprobay-Produktion in den USA zu verdreifachen. Der Ausstoß der entsprechenden US-Anlagen werde durch Zusatzschichten in den nächsten drei Monaten auf 200 Millionen Tabletten erhöht. Bayer arbeitet nach eigenen Angaben mit der US-Regierung zusammen, um Bestellungen pünktlich auszuliefern. Auf Forderungen von Senator Schumer, den Preis des Medikaments zu senken, ging Bayer nicht ein. Die US-Regierung zahlt nach Angaben von Bayer USA für eine solche Tablette 1,83 Dollar, Großhändler 4,57 Dollar. Die Preise seien seit Monaten konstant, betonte Bayer.“
(http://www.wallstreet-online.de/diskussion/491192-1-10/kanada-bestellt-anti-milzbrand-mittel-bei-einem-bayer-konkurrenten)
Zitat Original geschrieben von Sandmann
Und gerade das macht mich stutzig! Die Patente sind bereits seit langem ausgelaufen, die Glühbirne sollte also Patentfrei sein. Warum geht also niemand in den Markt mit einer Glühbirne die eine höhere Lebenserwartung hat?
Da stimmt doch irgendwas an dem Film nicht.
|
Och, da kommt sicher u.a. der alte Trick zum Zuge: Wachsende Konkurrenz aufkaufen und deren Produkt in den Schubladen verschwinden lassen. Denk z.B. an das 3-Liter-Auto oder die Investitionen von Ölfirmen in alternative Energien.
Es muss ja sogar Druck aufgebaut werden, damit es über den Schritt der Energiesparlampe weiter geht zu den LEDs.
Wobei ich nicht unfair sein will:
1. Sind viele Konsumenten oftmals erschreckend konservativ („Was Neues kaufen? Lieber nicht.“)
2. Gab es schon lange Zeit Alternativen: Halogen und Leuchtstoffröhren (und die erste Technologie macht sogar gemütliches Licht). Aber es war dennoch erstaunlich, wie schwer es war, an Halogenbirnen mit Fassungen zu kommen, die auch in Glühbirnenhalterungen passen.
3. Es ist doch von Vorteil, wenn deine Glühbirnen eben nicht so lange halten: Das sichert langfristig das Geschäft. Und wenn du als Neueinsteiger einen anderen Weg einschlägst, dann hast du ja erst mal alle alten Hasen im Geschäft gegen dich.
Zitat Original geschrieben von Sandmann
Ich habe auch nie gesagt, dass Demokratie und Marktwirtschaft zusammen gehören, nur das diese beiden Dinge der gemeinsame Nenner der westlichen Staaten ist. Marktwirtschaft findet sich auch in den Sonderwirtschaftszonen in China. Demokratie wird man da aber eher weniger finden.
Das den westlichen Staaten die Menschenrechte nicht ganz so wichtig sind, sieht man z.B. am zögerlichen Einschreiten und am Verhalten in echten Kriegen.
|
Okay, dann stimmst du vermutlich auch zu, dass die westlichen Staaten oftmals nur vorgeben, eine Marktwirtschaft zu vertreten, oder?
Wo zählt Indien da für dich rein?
Zitat Original geschrieben von Sandmann
Zitat Original geschrieben von Avoron Aschenfall
Weil ich nicht einfach Person / Firma X verklagen kann und Recht bekomme, weil diese z.B. die Luft, welche ich auch atme (somit mein Eigentum ist?), verpestet?
Und ist das abstrakte Konstrukt des "Allgemeinwohls" nicht auch Ursache für Umweltschutz? |
Interessant ist hier, dass das sehr wohl funktioniert wenn ich Nachbars Komposthaufen stört. Dies ist doch gerade die Ursache des Problems, das ich meine. Wenn nebenan eine Fabrik eröffnen und Abgase in die Luft abläst die mich stören, dann greift der Fabrikbetrieber ja in mein Eigentum ein, da ich es weniger nutzen kann.
Ergo kann er ja gerne Produzieren, er muss aber entsprechende Filter einbauen, damit er nicht ins Eigentum anderer eingreift.
Das Allgemeinwohl führt eben nicht zu Umweltschutz sondern zum Gegenteil. Generell: Je stärker die Eigentumsrechte des einzelnen, um so mehr wird die Umwelt geschützt. Je schwächer die Eigentumsrechte um so stärker ist die Belastund der Umwelt. |
Wobei man dann aber auch sicher gehen muss nach deinem Entwurf, dass die Eigentumsrechte des Einzelnen sehr stark sind und auch geschützt werden, damit dann nicht die reichere Person sich einfach die besseren Anwälte leisten kann.
Das bringst dann aber auch wieder das Problem mit, dass so eine Gesellschaft sehr … inflexibel wird. Ständig würden Dinge gestoppt werden, weil irgendwer seine Rechte verletzt sieht (darüber beklagen sich ja auch Leute bei uns).
Hrhr, willst wohl punkten, hm?
 |
Gründer der "A-Truppe" (erstmals bekannt als "die 3 As - Alf, Angus, Avoron")
Einer der glorreichen sieben Lichtbringer (SWC 9) 
www.aschenfall.de |
|